Berichte
24.02.2017, 15:01 Uhr
Basketball no sound: ART Giants besuchen Förderschule LVR Gerricus in Gerresheim
Es gibt eine Menge herausragende Momente im Leben eines Basketball-Profis. Die Bewegendsten sind aber unter Umständen nicht der Gewinn der Meisterschaft oder die Bestleistung auf dem Scoreboard. Als die Profis der ART Giants die Sporthalle der LVR Gerricus Schule betreten, ist es etwas anders als bei den anderen Schulen, bei denen sie sonst zu Gast sind: leiser, viel leiser. Obwohl die Aufregung der Kinder und Jugendlichen groß ist und man sich schon viele Tage auf die Basketball-Cracks gefreut hat, klatschen viele gar nicht, sondern wedeln nur seltsam mit den Händen. Das ungewöhnliche Auftreten der Kids erklärt sich auf den zweiten Blick: das Gerricus ist Förderschule für den Förderschwerpunkt Hören und Kommunikation, hier lernen Kinder und Jugendliche, die mit einem Handicap beim Hören leben müssen.
Die meisten Kinder tragen Hörgeräte, diejenige, die keine tragen, müssen sich in einer Welt der Stille zurechtfinden. Klar, dass in der Schule Klatschen und Jubeln nicht wirklich der beste Weg ist, alle zu erreichen. Stattdessen sind kleine und große Gesten die beste Wahl und: einfach machen. Und das taten ART Giants – nach der kleinen anfänglichen Irritation konnten die Basketball-Riesen schnell die Herzen der Kids gewinnen. Bei einigen Fun-Matches gegen die Schüler zeigten Kleiza, Lewis und Zvinklys lockere Tricks und coole Moves, die mit Begeisterung aufgenommen wurden. Hinterher bildeten sich Trauben um die Spieler, die geduldig auf Poster und Freikarten für das nächste Spiel mit Autogrammen schrieben. Sport funktioniert eben auch ohne Worte.

Organisatorin Kirsten Schaddach, LVR Gerricus:
"Schön zu sehen, wie motiviert die Kinder und Jugendlichen sind. Wir haben hier auch einige Kinder aus den Krisengebieten Syrien oder Irak, die mit Knalltraumata zu uns gekommen sind. Die Jungs sind wirklich locker und auch wenn wir hier eher Fußball-Fans haben, wird das eine oder andere Poster heute Abend einen Ehrenplatz im Zimmer bekommen."

Im Anschluss an das Programm für alle organisierten die Coaches der ART Giants einen Workshop für die Schüler, die sich für Basketball begeistern. So standen ein paar Stunden Basketballtraining auf dem Programm: Wie dribbel ich richtig? Wie macht man einen erfolgreichen Lay-up? Auch taktisches Verhalten wurde geschult. Im Laufe des Workshop konnte auch Headcoach Jonas Jönke noch etwas dazu lernen. Zum Beispiel, dass man in der Gerricus fest auf den Boden tritt anstatt in die Hände zu klatschen – die Schwingungen des Hallenboden lassen auch gehörlose Schüler fühlen, dass der Coach sofort die volle Aufmerksamkeit beansprucht. Nach ein paar Stunden trennten sich die Baller mit Spezial-Handshake, und jeder hat etwas aus diesem Tag mitgenommen.

Vorstand Öffentlichkeitsarbeit ART Giants Stefan Freier:
"Hier wird einem wieder bewusst, warum man das alles macht. Sonst geht es um Tabellenplätze und maximale Wurfquoten, hier steht einfach das Spiel im Vordergrund. Basketball macht Spaß, egal wie gut man es kann. Wir lernen Dinge kennen, die uns nicht immer bewusst sind, und wenn die Kids glücklich sind, haben wir alles richtig gemacht."

Eins steht fest: Beim nächsten Heimspiel (11. März, 19 Uhr, Comenius Halle Lütticher Straße) kann sich das 1st Team über einige neue Fans freuen: sie werden bei Punkten von Lewis, Kleiza und Zvinklys nicht klatschen sondern besonders begeistert mit den Händen wedeln.